Weihnachtsmarkt
Nachdem ich im letzten Post mal so richtig über die Gesellschaft ausgelassen habe, heute mal was ganz anderes. Es ist schließlich Weihnachtszeit, auch wenn man das noch nicht so recht merken kann. Der Winter lässt noch ganz schön auf sich warten und wir haben schon bald Ende Dezember. Aber bei den Temperaturen kann es auch nicht schneien. Nicht mal nachts sind so richtige Minusgrade. Da ist wohl doch was dran an der Klimaerwärmung.
Aber weil es ja nun mal Weihnachten ist, gehen mein Kleiner und meine Ex alle zusammen auf den Weihnachtsmarkt. Das haben wir schon immer so gemacht und aus Liebe zu unserem Sohn behalten wir diese Tradition auch bei. Auch wenn es ihrem Neuen nicht so recht passt. Der hat vielleicht ein Theater gemacht. Als wenn ich zum Strip-Poker zu mir nach Hause eingeladen hätte. Total albern.
Aber sie meinte, sie macht es trotzdem, ihr Sohn wäre ihr wichtiger, und der freue sich nun mal schon lange darauf. Da hab ich echt gestaunt, dass war nämlich nicht immer so. Eine Zeitlang war sie auch nur auf Parties und so unterwegs, wollte leben, und ja nichts verpassen. Kann man vielleicht auch verstehen, wenn man so früh ein Kind bekommt.
Die Phase scheint sie aber inzwischen überwunden du sein, bin ich auch ganz froh drüber, denn ich will auch nicht das mein Sohn bei einer Frau aufwächst, die immer nur ans Feiern und sich selbst denkt.
Aber zurück zum Thema. Wir waren also zu dritt auf dem Weihnachtsmarkt. Es war sehr, sehr schön, fast ein bisschen wie früher. Die Vertrautheit war irgendwie wieder da. Unser Verhältnis war auch schon mal schwieriger. Als unsere Kleiner dann Karussell fahren war, meinte sie sogar, dass wir ihn doch richtig gut hinbekommen hätten. Das hat mich natürlich gefreut und sie hat auch ein wenig so geguckt, als wenn sie mich auch ein wenig vermisst.
Das wäre schon schön, wenn es so wäre. Ich tue es schließlich auch, und wer weiß wenn wir beide das Gefühl haben, wer weiß.
Mal so nebenbei
Ich habe euch ja schon letztens erzählt das ich Mechatroniker bin. Da ich ja damals nicht dem Angebot aus München gefolgt, bin sondern hier geblieben bin, um meiner Familie näher zu sein, arbeite ich jetzt in einer kleinen Autowerkstatt im Zentrum von Erfurt. Wenn man das denn hier überhaupt Zentrum nennen darf.
Wenn man es nämlich mit einer Stadt wie Berlin vergleichen würde, dann wäre es eher so was wie ein Stadtteil der eigentlich eher ländlich ist, aber Immer wieder versucht auf große Stadt zu machen. Ich glaub Spandau ist doch so einer. Ich habe einen Kumpel in Berlin, der hat mal erzählt das die Spandauer immer als Berlin bei Spandau sagen. So ein Quatsch aber auch. Als wenn Spandau jetzt so groß wäre. Das kommt auch nur dadurch das dieser Stadtteil der älteste ist. Darauf bilden die sich ziemlich was ein.
Sollen sie machen, die meisten Erfurter tun gar nicht so, als wenn es hier besonders toll wäre. Ist es nämlich nicht wirklich. Es gibt kaum Arbeit und wenn Thüringen bekannt ist, dann durch seine Sportler, was ja nicht schlecht ist, aber eben auch durch die ganzen Glatzen, die bei uns rum laufen. In den Nachrichten läuft ja leider momentan nichts anderes. Finde das schrecklich dass manche Menschen, wenn sie hören woher man kommt, einen gleich als Nazi bezeichnen. Als wenn wir hier alle so sind. Was nicht stimmt.
Letztens erst war in Jena ein Konzert gegen Rechts. Ich war auch da, zusammen mit 50.000 anderen Menschen. Das war doch mal ein eindeutiges Zeichen, dass es eben nicht so ist. Schließlich ist gerade auch Jena eine Studentenstadt in der sehr viele Ausländer leben und das sehr gerne und friedlich. Wenn ich dann immer höre, wie tief der Staat da anscheinend drin steckt, sollte man sich mal fragen, wer hier was für die Rechten übrig hat. MIr kann doch keiner erzählen, dass da nie einer was mitbekommen hat.
Über mich
Nun gehe also auch ich online.Ich, dass ist der Tobias, bin 23 Jahre alt und lebe in Erfurt. Ja ihr habt richtig gehört, Erfurt. Die Landeshauptstadt von Thüringen ist jetzt nicht so wirklich der Knaller. Viel los ist hier nicht, de einzige Grund warum ich noch hier lebe ist eigentlich mein Sohn.
Tja, ich bin nämlich schon Vater. Mit 18 ist passiert. Meine damalige Freundin und ich haben nicht richtig aufgepasst und schon war es passiert. Damals war es natürlich schon ein Schock, inzwischen möchte ich ihn aber nicht mehr her geben. Leider hat unsere Liebe das alles nicht ausgehalten und jetzt sind wir schon fast 3 Jahre getrennt.
Sie hat auch einen neuen Freund, und meine Angst ist natürlich groß, wenn ich dann auch noch von hier weg gehen würde und meinen Sohn dann noch weniger haben würde, dass er langsam aber sicher meine Rolle übernehmen würde. Ich will nicht sagen, aus den Augen, aus dem Sinn, aber Kinder suchen sich ihre Vertrauenspersonen in ihrem direkten Umfeld und nicht irgendwo.
Tja, wenn ich so daran denke das ich jetzt auch in München bei einer der großen deutschen Auto- Marken als Mechatroniker arbeiten könnte, ist das aber schon manchmal hart. Denn mein Leben hatte ich mir schon ein wenig anders vorstellt und wollte es nicht nur in Thüringen verbringen.
Wer jetzt sagt selbst Schuld, ja das stimmt man hätte auch einfach besser aufpassen können. Oder abtreiben, aber das kam für uns damals nicht in Frage, hatten uns irgendwie auch auf das Kleine gefreut. Und wenn ich ehrlich bin, bleibt ich nicht nur wegen meinem Sohn hier.
Denn ich liebe Manuela, so heißt meine Ex, immer noch. Nach ihr hatte ich zwar auch andere Frauen, aber nie mehr so was festes. Ich konnte auch nicht mehr so recht einer vertrauen. Liegt wohl auch daran, dass es damals nicht so schön auseinander gegangen ist.